Eifer sucht das, was Leiden schafft

Beziehung und EifersuchtUMA LIFE Praxis 

(Hinweis: Der Begriff „Partner“ wird nachfolgend jeweils für beide Geschlechter eingesetzt)

 

 

Liebe Ursula
Das Thema, das mich in der Vergangenheit bis heute am meisten quält, ist die Eifersucht. Der physische Schmerz, den die Gedanken der Eifersucht auslösen, sind kaum auszuhalten. Der empfundene Schmerz liess mich zu einem Raubtier werden.
Ich hatte diverse Beziehungen und war auch schon verheiratet. Immer, wenn ich länger mit einem Mann zusammen bin, kommen diese quälenden Gedanken und ich erahne hinter allem einen Betrug. Von Vertrauen keine Spur, auch wenn mein aktueller Partner mir noch so die Treue schwört. Mit der Eifersucht fühle ich nicht nur die Verlustangst, sondern auch die Existenzangst sehr stark.

Es macht mich fertig, wenn ich bedenke, dass ich einen Partner brauche, um glücklich zu sein. Ich brauche tatsächlich einen Partner, um mich gut und genügend zu fühlen. Was mir diese Erkenntnis sagen will? Vermutlich, dass ich mich selbst nicht mag und deshalb die Bestätigung von jemandem brauche, den ich toll finde, um mir zu beweisen, dass ich doch in Ordnung bin. Nur um kurz darauf dem selben Mann zu unterstellen, dass er wohl sicher doch lieber eine andere wollen könnte, da ich ja nicht gut genug bin. Damit wäre ich dann die Zurückgelassene und das wäre schrecklich, weil ich mich ja nicht mag und deshalb nicht mit mir alleine sein möchte.
…..

So oder ähnlich wird Eifersucht im täglichen Leben beschrieben, sofern einem das Thema überhaupt bewusst ist. Doch was ist Eifersucht eigentlich wirklich?

Eifersucht ist ein Symptom wie jede andere Sucht und entsteht grundsätzlich durch ein Mangelbewusstsein!

Suche ist immer Mangel und zur Sucht wird etwas, wenn der Mangel unbedingt verbessert, vertuscht oder verhindert werden soll. Du fühlst dich unsicher, ungenügend oder gar wertlos? Die beste Voraussetzung, dass du ohne eigene Identität bist.

Der Glaube an Sicherheit in einer Beziehung entpuppt sich meist sehr schnell als Illusion. Die Eifersucht entsteht, wenn diese Illusion aufgedeckt ist und das „alte Bild“ des Partners zu bröckeln beginnt. Das wiederum bedeutet, dass der Partner dazu benutzt wurde eine bestimmte Rolle zu erfüllen, die deinen eigenen Selbstwert unterstützen sollte. Man sucht sich also mit „Eifer“ einen Partner, um jemanden zu haben, der einem die Sicherheit und eine Identität gibt. Diese Feststellung ist übrigens geschlechtsunabhängig.

Mit einer solchen Haltung programmierst du dich natürlich mit der Einstellung: „Was muss ich tun, damit er/sie bei mir bleibt?“ Diese Un-Sicherheit wird damit auf den Partner projiziert, was so viel bedeutet, als dass du dich in eine totale Abhängigkeit begibst … denn du glaubst, dich nur über und durch den Partner sicher und wertig zu fühlen.

In der Kompensation ist bei solchen Menschen dann eine starke Unterwürfigkeit in der Beziehung zu beobachten. Die mehr als angepasste Haltung schreit dann schon fast: „Ich tue alles, nur damit dieser Partner bleibt.“ Damit verleugnet man sich und seine Bedürfnisse und rutscht immer tiefer in die Identitätslosigkeit. Obwohl man ja eigentlich hofft, durch den Partner eine Identität zu finden. Doch genau diese Suche danach schafft das Leiden.

Wer seine Persönlichkeit nicht mag und noch keine eigene Identität entwickelt hat, ist schneller dazu bereit, den Bedürfnissen im aussen grösseren Wert beizumessen als den eigenen. Das hinterlässt eine Haltung der Bedürftigkeit, da die Verantwortung zur Befriedigung der eigenen Wünsche an andere abgegeben wird.

Emotionale Abhängigkeit ist das Resultat. Daraus entsteht Suche und die Süchte.

Alles oder jeden, der mir diesen Partner – stellvertretend für meine Sicherheit – wegnehmen möchte, schlage ich in die Flucht. Ich bin manipulativ, intrigant, verleumdend, verletzend und ungerecht. Ich selbst kann den idealisierten Partner nicht aufgeben, denn er wertet mich auf. Daraus entstehen auch die Verlustängste.

Irgendwann kann das kein Partner mehr aushalten, er muss gehen. Er verliert die Achtung und den Respekt, es fehlt die Gleichwertigkeit, die eine erfüllte Partnerschaft braucht. Da geht dann nicht nur der Partner flöten, sondern auch das, für was er steht. Indem ich mich auf das Aussen beziehe, verliere ich die Beziehung zu mir selbst und setze damit meine individuelle Identität, aber eben auch meine eigene Wahrheit, aufs Spiel.

Die grösste Sucht des Menschen ist die Beziehungssucht.

Die Frage „Wer bin Ich?“ ist in jedem angelegt und meldet sich deshalb altersunabhängig immer wieder. Mit einer Partnerbeziehung strebt man eine Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit an. Der fehlende Teil in einem selbst wird im Partner gesucht! Der muss dann die Sehnsüchte stillen und den gefühlten, fehlenden Teil auffüllen. Es gibt diese Partner, denn man zieht sie unbewusst auf der feinstofflichen Ebene im Resonanzprinzip an.

Ist man erst über die ersten Monate der Beziehung hinweg, wo jeder noch die geschönte Version von sich zeigt, beginnt man die eigenen Erfahrungen und Programme auszuleben. Damit beginnt allerdings auch die emotionale Abhängigkeit und die Unsicherheit wird immer grösser. Die Eifersucht ist dann eine logische Konsequenz. Sie ist auf alles und jeden gerichtet, der versucht einem diesen Partner wegzunehmen.

Jede/r Frau/Mann wird zum Feindbild und mit der Frage „Was hat die oder der, was ich nicht habe?“, rutscht man immer tiefer ins hausgemachte Mangelbewusstsein. Man verliert sich im Kampf mit dem Aussen oder in der Opferhaltung und entfernt sich immer weiter von sich selbst.

Was kann ich tun?
Entweder ich suche mir mit „Eifer“ gleich wieder den nächsten und das Spiel beginnt von Neuem. Oder aber, ich besinne mich auf mich, meine Wahrheit, meine Werte, Bedürfnisse, Potentiale und vor allem, meinen Respekt mir selbst gegenüber.

Ich werde mir bewusst, was ich all die Jahre mit mir angestellt habe. Wie ich mich erniedrigt und bedürftig gemacht habe. Es kann doch nicht angehen, dass ich aus einer Unsicherheit und Angst heraus zum Bettler werde und jemanden brauche, der mich schützt und stützt!

Das „bewusst machen“ dieser Mechanismen, die in den Anfängen noch die unbewusste Suche nach der eigenen Wahrheit ist, schürt die Sehnsucht, die einen ein Leben lang antreiben kann – die Lebenstriebkraft.

Diese Sehnsucht kann ich nutzen, um eine liebevolle Beziehung zu mir selbst aufzubauen. Was dazu nötig ist, ist dann individuell anzuschauen. Wichtig ist nur die Selbsterkenntnis, dass ich mich durch die Eifersucht (Wirkung im aussen) immer mehr von mir entfernt habe. Ich habe mich verleugnet und vergessen, um den von mir idealisierten Partner zu behalten, egal aus welcher Motivation heraus.

Jede Sucht ist der Versuch, das Unkontrollierbare zu kontrollieren. Emotionale Abhängigkeit ist das Resultat.

Ich möchte noch anmerken, dass Eifersucht sich nicht nur auf Personen bezieht. Der Neid gehört auch dazu. Neidisch sein auf Dinge, die andere besitzen und ich nicht … Ich glaube es ist jetzt jedem klar, dass das ebenfalls mit dem eigenen Mangelbewusstsein zu tun hat.

Auch am Arbeitsplatz gibt es Eifersucht. Auch das ist nachvollziehbar, denn wenn ich keine Beziehung zu mir selbst habe, ist der Reflex diese Beziehung im aussen zu suchen, sehr naheliegend.
Noch ausgeprägter ist die Reaktion, wenn die Partnerschaftsebene als erster Spiegel der Reflektion ausfällt. Dann geht ein Mangelbewusstsein auf den unmittelbar nächsten Spiegel über, was die Berufsebene ist.

Hier kann man genauso gut kompensieren was das Zeug hält, schliesslich geht es auch hier um „Ich bin nicht gut genug“ – also Mangel. Die Betroffenen versuchen dann durch Überstunden, übertriebenen Ehrgeiz, starke Leistungsverbissenheit, ihre Existenzberechtigung zu wahren.

Schlussendlich geht es ja eigentlich das ganze Leben lang immer um Selbst-Erkenntnis. Doch um zu erfahren, wer ich wirklich bin, muss ich erst erkennen, wer ich NICHT bin. Das wiederum geht nur durch Herausforderungen der DU’s.

Dabei sollte man sich immer fragen: Welchem DU im Aussen erlaube ich, mein ICH zu gestalten?

 

Alles Liebe Ursula

 

PS: Wenn du endlich Klarheit zum Thema Beziehung – mit dir selbst und/oder einem Partner – haben willst, bist du mit den Büchern von Ursula auf dem besten Weg.

Das System Beziehung – Illusion & Sucht

BeziehungsDynamit

Doch auch die Blog-Beiträge von Ursula zum Thema Beziehung, sind sehr beliebt. Hier ein Beispiel …

2 Kommentare

  1. Liebe Ursula,
    wunderbar geschrieben, einfach treffend.
    Herzliche Grüße
    Astrid

    Antworten
  2. wie wahr liebe Ursula ich kenne diesen Schmerz
    sehr schön geschrieben
    liebe Grüsse Thea

    Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>