… rege mich tierisch auf!

Machtkampf am ArbeitsplatzDer nachfolgende Blog zeigt eine sehr typische Situation auf der beruflichen Bühne. Nicht nur, dass wir in diesem Bereich mit Zweckbeziehungen klarkommen müssen, können wir uns sehr oft die Kollegen und Kolleginnen nicht aussuchen.

Die meisten Menschen verbringen den grössten Teil ihres Lebens am Arbeitsplatz und müssen sich dort mit Menschen abgeben, die sie im privaten Umfeld mit Sicherheit meiden würden.

Die nachfolgende „Geschichte“ einer Klientin ist als Situation nicht selten und auch wenn es die berufliche Ebene betrifft, enthüllt sie doch darüber hinaus IMMER enorm viel über den Menschen, der die Geschichte erzählt.

Natürlich ändern sich die Storys im Detail immer etwas, doch kannst du sicher nachvollziehen wie es sich anfühlt, wenn man sich „tierisch“ über jemand anderen aufregt. Erfahre deshalb in meinem Kommentar – UMA LIVE-Praxis – aus welchen anderen Blickwinkeln solche Situationen auch noch beobachtet werden können.

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Liebe Ursula

Ich brauche ganz dringend deine berühmte „Faust aufs Auge“. Also, ich meine natürlich deine klare Art, verzwickte Situationen auf den wesentlichen Punkt zu bringen. Ich brauche das gerade sehr, weil ich ganz und gar nicht mehr durchsehe.

Die Situation kommt dir vielleicht wie eine Lappalie vor, aber mich verfolgt das Ganze bis in meine Freizeit. Es geht um zwei neue Arbeitskollegen, die meinem Team Anfang Jahr von einer anderen Abteilung zugewiesen wurden.

Die junge Frau ist 22 und der „Junge“ 19. Die Umstände des allgemeinen Personal-Transfers in unserer Unternehmung sind natürlich auf Reorganisation bzw. Sparmassnahmen zurück zu führen.

Beide bringen auf ihre Weise mein eingespieltes Team dermassen durcheinander und das nicht etwa weil sie sich erst noch ins Team einfügen müssen, sondern wegen ihrem arroganten, überheblichen und geringschätzigen Verhalten den Mitarbeitern im Team gegenüber.

Beide arbeiten im Grunde genommen recht gut mit, müssen aber noch sehr viel lernen, da mein sechsköpfiges Team aus Spezialisten besteht. Die Arbeit erfordert ein hohes Mass an Konzentration, da sich Fehler immer auf mehreren Ebenen des Unternehmens stark auswirken.

Es ist die persönliche Ebene, die uns so „tierisch aufregt“ und uns viel zu oft sprachlos mit offenem Mund zurücklässt.

Die junge Frau hat eine solch schnippische Art an sich, dass ich vor allem bei den Frauen im Team in Argumentationsnotstand komme, sie weiterhin im Team zu integrieren. Regelmässig fordert sie mich ausserdem durch Krankheitstage, „wichtige“ private Termine oder der Ferienplanung in der Arbeitsplanung dermassen heraus.

Der „Junge“ scheint unter ihrer Fuchtel zu stehen. Das lässt sich zwar nicht „beweisen“, da auch er in seiner vorwitzigen, unbescheidenen und oft sehr taktlosen Art sehr überzeugend wirkt.

Da ich das Team leite, bin ich es, die wieder für Ordnung und eine Lösung sorgen muss. Ausserdem habe ich keine Lust mehr, mich über die beiden auch zu Hause noch aufzuregen. Doch wie soll das gehen? Kündigen kann ich ihnen nicht, weil der Vertrag mit der Unternehmung besteht und nicht mit mir und meiner Abteilung. Ausserdem sind wir auf die Arbeitskraft der beiden momentan sehr angewiesen.

Mir ist schon klar, dass mir diese Situation über mich selbst etwas zeigen will, doch ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht…

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UMA LIVE-Praxis

Liebe …

Du nennst dein Dilemma gleich selbst, nämlich die Abhängigkeit. Auch wenn du den beiden Mitarbeitern

gegenüber nicht offen kommunizierst, dass du auf sie angewiesen bist, schwingt genau das in deinem Verhalten unterschwellig immer mit.

Du gibst ihnen damit die Macht und regst dich „tierisch“ auf, wenn sie diese dann auch noch durch früheren Feierabend, Wünsche bei der Urlaubsplanung, freches, kokettes Verhalten Mitarbeitern gegenüber ausleben.

Klar bist du als Chefin verantwortlich. Dann hol dir aber auch die Macht, die du abgegeben hast, wieder zurück! Übernimm Verantwortung für die Führungskraft, die du sein sollst. Klare Ansagen und kompromisslose Durchsetzung davon können ein erster Schritt sein.

Du und deine „Spezialisten“ scheinen ein wohl eingespieltes, rücksichtsvolles, verantwortungsvolles und pflichtbewusstes Team zu sein. Ihr habt euch unbewusst in eine Komfortzone namens Sicherheit manövriert. Ihr habt euch ein „Bitte-nur-kein-Stress-Team“ bzw. ein „Wir-haben-uns-lieb-Team“ erarbeitet und wurdet nun von zwei Individuen überrumpelt, die sich weder um Leistungsdruck, noch um Pflichtbewusstsein scheren.

Resultat: Die beiden nehmen sich das heraus was du (ab und zu wenigstens) auch gerne hättest. Stattdessen verhältst du dich „angepasst und wie erwartet“. Diese beiden spiegeln dir scheinbar alles Dinge, die du an dir selbst immer noch verurteilst.

Frage dich doch mal, welche Bedürfnisse du immer noch verleugnest, damit ein ganz bestimmtes Bild, das zu zeigen willst, aufrecht erhalten bleibt?

Du hast deine Macht abgegeben, was unbewusst passiert. Diese Unbewusstheit aktiviert jedoch automatisch dein Mangeldenken, das auf direkten Weg in die Ohnmacht führt. Hier angekommen, bist du dann dem Reagieren ausgeliefert.

Bereits dein Gespräch mit den früheren Vorgesetzten, hätte dich auf Unsicherheiten der beiden hinweisen müssen, die schlussendlich zu übertriebenen Machtdemonstrationen führen können.

Natürlich ist das Verhalten der beiden nicht in Ordnung, doch warum um Gottes willen lasst ihr alle es zu, dass die beiden das Team dermassen aufmischen. Deine Teammitglieder scheinen auch ein Selbstwert-Problem zu haben, wenn sie so mit sich umspringen lassen.

Einen weiteren Aspekt gilt es hier auch noch zu beachten. Was für ein Frauenbild hast du und die Frauen in deinem Team? Stossen sie sich möglicherweise an der „neuen“ Weiblichkeit der jungen Frau. Sie spricht aus was sie will und nimmt sich nur das was sie mag. Genau damit provoziert sie und versucht euch so herauszufordern. Welches Image versucht ihr denn krampfhaft zu verteidigen, weil ihr Angst habt es zu verlieren?

Grundsätzlich erinnert dich diese Situation daran
– wieder in deine Macht zu kommen und durch deine Potentiale wieder die Führung zu übernehmen
– dir deiner Wut auf dich selbst bewusst zu werden
– dass die reaktive Ohnmacht dich immer schwach und hilflos fühlen lässt
– dir deines Selbstwertes bewusst zu werden, damit dich solche Situationen zukünftig nicht mehr „beherrschen“ müssen
– Konsequenz und Durchsetzung zu leben, um den beiden Mitarbeitern ihre Grenzen zu zeigen

Du könntest durchaus sehr überrascht werden, wenn du Grenzen konsequent durchsetzt. Möglicherweise warten die beiden längst darauf, dass jemand in diesem Team deutlich zeigt, wo es langgeht.

Führe das Team, indem du dich selbst führst.

Liebe Grüsse

UMA

4 Kommentare

  1. WOW!!!! Auch wenn es nicht 1:1 identisch ist mit meiner beruflichen Situation, so geht es mir doch ähnlich. Und ich konnte meine ganz eigenen Defizite erkennen. Ob ich’s nun auch umsetzen kann, wird sich zeigen. Aber …. ich muss nun nicht mehr so wütend auf mich sein, weil mich einiges so abnervt. DANKE!!!

    Antworten
    • Liebe Uli

      Wut ist ein zu spät gesagtes „NEIN“ nach Außen. Das würde heißen, dass du viel zu oft „JA“ nach außen gesagt hast und damit „NEIN“ zu dir.

      Du hast erkannt, um was es bei dir geht, das Umsetzen ist dabei zweitrangig. Einzig die Wirkung deiner Erkenntnis ist wichtig.

      Äussere Umstände sind „nur“ die Bühne für die Selbsterkenntnis-Prozesse und nicht die Ursache. Doch was ist die Motivation, zum Beispiel bei einer Entscheidung? „Tue ich es für mich oder für andere?“

      Lieben Gruss
      UMA

      Antworten
  2. liebe Uma,

    ich finde Dein Beitrag Klasse! Ein damalige Kollege von mir und ich, haben fast gleiche Situation gehabt. Der Team wahr ein eher ein „Kuschel Team“, da die meisten Mitarbeiter die Freunde von Leitung Team wahren. Der Team befand sich damals in Aufbau Phase, jeder hat natürlich sein Platzt bewusst oder mehr unbewusst gesucht, dadurch ist so eine art von Dynamik erstanden, was zu keine positive Auswirkungen auf Team geist gefügt hat. Das alles spiegelte sich natürlich auf den Klienten Arbeit, was ich am schlimmsten fand.
    Ich befand mich auch an Anfang und sollte noch viel lernen, aber immer hin, habe mehrmals ein Gespräch meine Leitung aufgefordert, angesprochen. Jedes mal bekam ich die gleiche Antwort zurück: „dass alles in Ordnung ist und es hat nicht mit mir zu tun“! Da ich ein intuitiver und geduldiger Mensch bin, habe damals auch gewusst, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Es bleibe mir weiter meine Arbeit zu machen und zu abwarten. Was zu letzt mit eine Kündigung von uns beiden gekrönt wurde. Ich las Ihre Antwort nieder, bis ich zu Teil kam, wo drinnen stand: „Resultat: Die beiden nehmen sich das heraus was du (ab und zu wenigstens) auch gerne hättest. Stattdessen verhältst du dich „angepasst und wie erwartet“. Diese beiden spiegeln dir scheinbar alles Dinge, die du an dir selbst immer noch verurteilst.
    Frage dich doch mal, welche Bedürfnisse du immer noch verleugnest, damit ein ganz bestimmtes Bild, das zu zeigen willst, aufrecht erhalten bleibt?“ da habe ich so gelacht, weil du das genau auf den Punkt gebracht hast und alle meine Vermutungen wurden damit bestätigt.
    „Führe das Team, indem du dich selbst führst.“- starke Worte – Danke!

    Liebe Grüße,

    SladjAna

    Antworten
    • Liebe Sladjana

      Falls du es bis jetzt noch nicht getan hast, könntest du dich fragen, was deine Bedürfnisse sind. Dafür bist du ganz allein zuständig, niemand im außen.
      Dein Gefühl zeigte dir wo „es“ hin wollte, einzig dein Kopf priorisierte die vermeintliche Sicherheit.
      Denke daran, dass du deine eigene Autorität bist. Du allein bist für dich verantwortlich. Niemand im außen ist wirklich in der Lage zu wissen, was für dich gut ist oder nicht, nur du ganz allein. Suche die Konflikte und vermeide sie nicht, sie bieten dir die nötige Heraus-Forderung aus deinen alten Mustern.
      Führung bedeutet, erwachsen zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
      Angepasstheit ist Ohnmacht, Abhängigkeit und Stillstand. Man ist dann in der Reaktion, statt in der selbstbestimmten Aktion. „Kämpfe für dich, nicht gegen Andere“!

      Lieben Gruss
      UMA

      Antworten

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