Beziehungsabhängigkeit der Kinder zu ihren Eltern

Beziehungsabhängigkeit„Wer will schon eine Beziehung zu seinen Eltern?“
Dieser Satz wurde mir in einem Gespräch entgegen geschleudert und er veranlasste mich, diesen Blog zu schreiben. Das Thema Kinder und Jugendliche ist immer ein heikles Thema. Nicht wegen den Kindern oder Jugendlichen. Nein! Es sind die Eltern bzw. Erwachsenen, die das nun folgende Thema sehr oft sehr persönlich nehmen. Mal sehen, wie es dir damit ergeht.

Mein Ansatz in der Praxisarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist der gleiche, wie bei den Erwachsenen. Die Erwartung der Eltern, dass ich ihr Kind so forme, wie sie es haben möchten, kann und werde ich nicht erfüllen.

Meine Erfahrung zeigt mir, wenn ich in die Tiefe der angeblichen Verhaltensauffälligkeiten gehe, also an die Ursache, stosse ich bei einigen Eltern auf Unverständnis und Ablehnung. Denn sehr oft liegt es nicht am Kind, sondern an den Eltern oder an einem Elternteil.

Damit will ich nicht sagen, dass die Eltern Schuld haben. Nein, auf keinen Fall. Für mich gibt es keine Schuld, denn Kinder zeigen einzig etwas auf. Sie wollen unbewusst etwas aufdecken, was im Elternhaus nicht passend ist bzw. verdeckt wird. Deshalb sind diese sogenannten Verhaltensauffälligkeiten nichts anderes als Herausforderungen.

Wenn zum Beispiel eine Mutter ihre Wut und Aggression aus „Rücksichtnahme“ unterdrückt, kann ihr Kind sich aggressiv zeigen. Das Kind lebt damit diesen Aspekt vor, den die Mutter als schlecht und böse abgespeichert hat. Das Kind fordert sie also heraus, Aggression und Wut zu fühlen. Etwas, das sie sich selbst, aus ihrer Bewertung heraus, nicht zumuten wollte.

Jeder hat seine eigene individuelle Geschichte, jeder ist einzigartig. Mich prägen als Kind meine äussere Umgebung und das Verhalten der Eltern und der Bezugspersonen. So ist das, was ich fühle und wahrnehme, für mich Wirklichkeit. Als Kind fühle ich nur und bin visuell. Ich habe noch keinen analytischen Verstand, um etwas zu verstehen.

Ich verhalte mich als Kind unbewusst so, dass ich zu meinen Eltern und der Umgebung passe, aber nicht zu mir selbst. So verleugne ich unbewusst meine Bedürfnisse und Wünsche. Demnach muss ich doch glauben, dass ich nicht in Ordnung bin.

Häufig, wenn ich nach einem ersten Gespräch mit dem Kind oder dem Jugendlichen den Eltern mitteile, dass ihr Kind völlig in Ordnung ist, schauen mich verschreckte Gesichter an. Wenn ich dann noch erkläre, dass ihr Kind nur aufdeckt, was sich in der Beziehung der Eltern und deren eigenen Geschichte spiegelt, wird es schwierig.

Die Eltern sehen sich dann mit meinen Erkenntnissen konfrontiert und fühlen sich entweder schuldig oder aber sie weisen jede Schuld von sich und projizieren alles auf das Kind. Diese Eltern finden es dann auch nicht sinnvoll, wenn SIE mit mir zusammen, FÜR ihr Kind, weiterarbeiten würden. Tja, viele Eltern habe ich dann nie wiedergesehen. Traurig, aber wahr.

  • Eine bestimmte Art von „Erziehung“ führt zur unbewussten und ungewollten Manipulation der Kinder.
  • Kinder lieben ihre Eltern immer und wollen zurück geliebt werden. Dadurch entsteht Abhängigkeit.
  • Eltern glauben häufig, sie müssen ihre Kinder lieben, dadurch entstehen Schuldgefühle und Druck.
  • Eltern vermitteln in unendlich vielfältiger Weise einen spiegelbildlichen Bezugsrahmen, dem sich das Kleinkind in seiner naiven Art anpasst.
  • Kinder stärken unbewusst den vermeintlich schwächeren Elternteil, um auszugleichen.

In der Regel treffe ich auf Eltern, die ihr „Bestes“ geben, aber auf bestimmte Persönlichkeitsanteile ihrer Kinder nicht besonders gut eingehen können. Solche Persönlichkeitsanteile können völlig in Ordnung sein und doch bei den Eltern ein Gefühl des Mangels, der Minderwertigkeit und des Neides auslösen.

Natürlich gibt es auch aus einer bestimmten Perspektive wirklich „schreckliche“ Eltern, doch glücklicherweise scheinen sie in der Minderzahl zu sein. Da spielt dann die persönliche Geschichte der Eltern eine Rolle und das unbewusste Abwehrverhalten des Kindes den Eltern gegenüber.

BeziehungsabhängigkeitKinder geben Eltern oft unbewusste und sehr komplizierte Signale. Wenn die Eltern selbst noch in ihrem „Wachstumsprozess“ sind und keine Ahnung haben, womit sie es gerade zu tun haben, fühlen sie sich als „Versager“. Zum Beispiel: Das Kind war gerade noch liebenswert und angenehm, plötzlich kann es ein völlig „Anderes“ sein, dem man einfach nichts recht machen kann.

Wünschenswert ist es, in der Kindheit eine selbstbewusste Persönlichkeit entwickeln zu können, um als Erwachsener Verantwortung zu übernehmen und nicht angepasst und fremdbestimmt sich durchs Leben mühen zu müssen.

Dazu gehört auch die Rebellion von Heranwachsenden und Pubertierenden. Oft werden sie wegen eines angeblichen Fehlverhaltens zu mir geschickt. Sie kommen also nicht freiwillig und sind deshalb auch nicht bereit etwas zu ändern. Schon allein aus Protest den Eltern gegenüber.

Für ein selbstverantwortliches Leben braucht es Konflikte und Herausforderungen! Dafür sind die Eltern da, um das Kind und sich selbst herauszufordern. Denn nur so lernt jeder Mensch zu erkennen, was er braucht oder nicht mehr will.

So lösen sich die Kinder vom Elternhaus und entwickeln ihre Eigenverantwortung. Das heisst, sie machen niemanden im Aussen dafür verantwortlich, dass es ihnen gut geht.

Wie du dir vorstellen kannst, gibt es auch im öffentlichen Leben Menschen, die im Bereich Kind/Eltern immer wieder an Grenzen stossen. So berichtet zum Beispiel eine Klientin, die mit Kindern arbeitet, über ein berufliches Dilemma:

Heute an einem Eltern-Schul-Gespräch ging es darum, dass ein Kind vom Kindergarten nicht eingeschult werden sollte, weil es oft keine Lust hat schöne Blumen und Häschen zu malen. Und manchmal nicht die korrekte Menge Kerzen umrandet, manchmal aber schon. Und weil es ein Auto malt, das halt nicht wie ein „Auto“ aussieht – und man sich irgendwann mal drauf geeinigt hat, wie ein Auto auszusehen hat (ich finde allerdings die Auto-Variante des Kindes kreativer) … und weil ein Gesicht bunt ausgemalt ist, anstatt in den „richtigen“ Farben. Doch dieses „richtig“ ist ja nur die Spektrum-Variante, welche unsere visuelle Wahrnehmung aufgrund der Lichtbrechung aufschlüsselt.

Dieses Kind soll deshalb nun nochmals ein Jahr in den Kindergarten gehen, in welchem das Setting so ist, dass es jeden Tag Frust anhäuft. Wenn es diesen dann rausschreit (was ich gesund fände, da er sich so nicht im Körper festsetzt), sei es emotional nicht tragbar. Es kann dies aber regulieren, wenn man mit ihm daran arbeitet.

Ach, die Situationen werden einfach zu undifferenziert wahrgenommen und so schnell in Rahmen und Raster gepresst.

 

Liebe Eltern
Wollt ihr für eure Kinder, dass sie authentische, selbstbewusste, unabhängige Erwachsene werden? Dann seid auch ihr authentisch.
Wenn Eltern sich verbiegen, verbiegen sich auch die Kinder.

Denkt einmal zurück an eure Kindheit, wie war es da?
Konntet ihr so sein wie ihr wolltet?
Konntet ihr eure Bedürfnisse anmelden? Wurden sie erfüllt?
Anders gefragt: Seid ihr euch heute eurer Bedürfnisse bewusst? Kennt ihr sie überhaupt?
Leidet ihr noch an diesem Mangelbewusstsein aus eurer Kindheit?
Verfolgt ihr noch immer die Devise „Meine Kinder sollen es einmal besser haben“.
Wie wäre es mit „Nicht besser, aber anders“?
Eure Kinder sollten einfach die Möglichkeit haben, sich bewusst und individuell zu entwickeln. Und dazu braucht es authentische Eltern.

Alles Liebe
UMA

 

Zeig mir wer du bistIm Buch Zeig mir wer du bist! geht Ursula Maria Auktor auch stark auf das Eltern/Kind-Thema ein.

 

 

 

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Bildquellennachweis:

Genervte Mutter mit Kind – https://de.123rf.com/mylightbox_detail.php?lid=3478928&mediapopup=19234607 – von ostill  https://de.123rf.com/profile_ostill

Vater und Mutter streiten um ihr Kind – https://de.123rf.com/photo_12198078_a-picture-of-two-adults-fighting-for-an-innocent-child-in-the-park.html – von Kamil Macniak   https://de.123rf.com/profile_macniak

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