Welchen „höheren“ Sinn gibst du deinem Leben?

LebenssinnMit dieser Frage stellen wir ein Thema in den Raum, welches gelinde gesagt „sehr viele Gemüter erregt“. Ich greife dieses Thema auf, weil ich in den letzten Tagen sehr oft – auch in Interviews – auf die angespannte Weltlage angesprochen und befragt werde. Dabei möchte ich mich keinesfalls zu politischen Fragen äussern, denn wie heisst es so schön: „Willst du dich mit anderen streiten, wähle Themen aus Politik oder Religion.“

Die „Lage“ ist, wie sie ist und kann uns einzig als Reflektion zu uns und unserem Leben dienen. Ausserdem zeigt uns diese Zeit deutlich, dass Sicherheit nicht das ist, was sie einmal zu sein schien.

Was ist der „höhere“ Sinn des Lebens?
Natürlich gibt es bestimmte „Denker-Gruppen“, die versuchen Lebenssinn einem „höheren“ Zweck zuzuordnen. Eine Glaubenshaltung, die fast eine hierarchische Gliederung in der Sinnfrage vermuten lässt. Gibt es also neben einem „höheren“ auch noch einen „niederen“? Oder netter ausgedrückt, einen „gewöhnlichen“ Lebenssinn oder Lebenszweck?

Das ganze Gerede über einen „höheren“ Sinn des Lebens fördert grundsätzlich nur eines im menschlichen Verstand – Mangeldenken! Schliesslich verstehen die meisten unter „Sinn“ etwas Aussergewöhnliches und die Bewertung des Begriffes „höher“, als vielleicht etwas Göttliches und damit Unerreichbares.

Wenn jemand aus diesem Verständnis heraus sein Leben als gewöhnlich und nicht besonders bewertet – weil er glaubt, keine nennenswerten Fähigkeiten oder Potentiale vorweisen zu können – kann er, als ein sehr selbstkritischer Mensch, irgendwann in eine Depression oder sogar Resignation flüchten.

Weitere Möglichkeiten, die ein Mensch „wählt“:

  • Die Opferhaltung: Er bestätigt sich fortlaufend seinen Mangel, nichts ändern zu können und ausgeliefert zu sein.
  • Das Erfinden von Dramen: Er denkt sich Geschichten aus, um sich auf diese Weise einen Sinn zu geben. Dramen wie Krankheit, Selbstmitleid und ähnliche Negativitäten werden erschaffen.
  • Der Selbst-Vermeidungsmodus: Er kompensiert die Angst, keinen Sinn in sich zu tragen oder zu finden, mit Ablenkungen und Süchten aller Art.

Ein ziel- und leistungsorientierter Mensch verlässt sich sogar noch mehr auf den Ego-Verstand. Dieser hat schnell ein paar Strategien aufbereitet, um das vermeintliche Manko mit dem Konzept „höheren Lebenssinn finden“ zu kompensieren.

Mögliche Strategien könnten sein:

  • Man beklagt sich über seine Ämter und Aufgaben in der Gesellschaft, obwohl man damit seinen „falschen“ Sinn zu bestätigen sucht.
  • Man kauft sich Strategien und Konzepte von anderen bereits fündig gewordenen Sinn-Suchern, weil man seinem eigenen Instinkt nicht vertraut.
  • Man lebt Glaubenssätze, wie z.B. „Wissen ist Macht“, womit ein Zwang entstehen kann, sich immer noch mehr Wissen anzueignen, um sich damit einen Lebenssinn geben zu können.

Die Listen der Möglichkeiten und Strategien könnten natürlich beliebig weitergeführt werden. So ein Ego-Verstand ist im erdenken von Konzepten wirklich sehr erfinderisch. Sicher fallen dir dazu auch noch einige Beispiele ein. Natürlich nicht von dir selbst, sondern solche, die du bei anderen beobachtest.

Macht das Sinn?
Fakt ist, dass selbst wir in unseren zivilisierten Breitengraden, unsere Hauptzeit damit verbringen folgende Grundbedürfnisse zu befriedigen: Essen, Trinken, Schlafen, Ausscheiden, Sex und das Bestätigen unserer Wunsch-Persönlichkeiten im Aussen.

Dem ist so, wenn wir nicht gerade damit beschäftigt sind mehr Geld zu verdienen, damit wir uns irgendwann einen schöneren Ort leisten können, an dem das alles noch besser geht. Was unternehmen wir nicht alles, um irgendwann etwas, bzw. jemand zu sein.

Selbst unsere privaten Aktivitäten kommen nicht mehr aus dem SEIN heraus. Können sie auch nicht, solange jeder Bereich des Lebens zielorientiert dem Selbstoptimierungswahn unterworfen ist. Damit sichert sich auch das Geschäft der vielen Rattenfänger da draussen, die mit der Flöte der Glücks- und Erfolgsverheissung durchs Land ziehen.

Wie kommt es nun, dass so viele Menschen vor sich selbst fliehen und lieber den Flötenklängen von oberflächlichen – weil zu allgemeinen – Konzepten folgen? Wie kommt es, dass sie anderen Menschen mehr glauben und vertrauen als sich selbst?

Die Antwort liegt nahe: Weil die meisten kein Verständnis für sich selbst und ihre individuelle, universelle Identität aufbringen können und wollen, ganz abgesehen vom Interesse an ihrer Einzigartigkeit. Es ist einfacher, bequemer und weniger einsam, sich von jemandem sagen zu lassen, wie man sein Leben noch besser „in den Griff“ bekommen kann.

Tja, auch die Suche nach dem richtigen „Guru“ oder dem perfekten Konzept kann zu einem Lebenssinn mutieren. Schade nur, dass hier, wie bei Versicherungen, mit Ängsten und Mangel gearbeitet wird.

Aus Angst, mit ihrer eigenen Individualität nicht mehr zu passen, ziehen viele das oberflächliche Ausbessern am Aussenverputz vor. Auch wenn sie insgeheim wissen, dass damit die Fassade erst recht zu bröckeln beginnt. Doch wenigstens hat man etwas gegen das latent unangenehme Gefühl in sich getan.

Diesem Szenario steht das einfache, weil bewusste Erleben und Erfahren des angelegten Lebensprozesses gegenüber. Doch das erscheint den meisten zu einfach und mit Einfachheit kommt der Denkapparat des Verstandes nicht wirklich klar. Er ist auf Leistung und Komplexität getrimmt. Der Einfachheit traut man nicht wirklich über den Weg.

Auch scheint sie nicht viel wert zu sein, da keine aufreibende Leistung dahinter steckt. Doch der individuelle „höhere“ Sinn ist Einfachheit pur und weil er aus dem Sein heraus geschieht, ist er alles andere als anstrengende Leistung.

Das Leben hat immer nur den Sinn, den du ihm in diesem Moment gibst! Sonst gar keinen!

Damit hast du den wichtigsten Indikator überhaupt an der Hand, wenn es darum geht, deinem „höheren“ Sinn auf die Schliche zu kommen. Alles, was du nicht mit einer gewissen Leichtigkeit erledigen oder erleben kannst, hat wahrscheinlich nichts mit deinem persönlichen Lebenssinn zu tun.

Ist die Sinnfrage deshalb völlig sinnlos?
Jaein! Für jemanden, der das Leben erleben und geniessen will, kann es tatsächlich Zeitverschwendung sein, sich darüber Gedanken zu machen, ausser er findet gerade Spass daran. Er hat ja seinen Sinn bereits im Erleben und Geniessen dieses Lebens gefunden. Diese Sichtweise auf das Leben kann leicht mit Empfindungen von Begeisterung und Enthusiasmus verglichen werden.

Für alle anderen gilt: Es gibt keinen „grundsätzlichen“ Sinn … ausser einen ganz individuellen, den DU bereit bist zu geben. Willst du über dich selbst bestimmen? Dann finde DU heraus, wer DU wirklich bist. Dann lebst DU in DEINEM Sinne. Da gibt es keinen „höheren“ mehr.

Möchtest du mehr über dich und deinen persönlichen Sinn und Unsinn erfahren? Wir unterstützen dich gerne, sei es in unseren „Face to Face“ Workshops, Seminaren, Coachings oder Beratungen. Einen guten Einblick in unsere Arbeit, bekommst du auch durch unsere Bücher und weitere Blog-Beiträge.

Alles klar? Alles Clarius!

*Klaus*

 

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Bildquellennachweis:

Kleines Mädchen in Rockerkluft – https://de.123rf.com/mylightbox_detail.php?lid=3478928&start=100&mediapopup=5265744 – von krugloff   https://de.123rf.com/profile_krugloff

1 Kommentar

  1. Neben meiner grundsätzlichen Zustimmung zum Blog möchte ich diesen gerne ergänzen oder erläutern:
    Wesentliche Erkenntnisse aus der Neuropsychologie der letzten drei Jahrzehnte zeigen hinsichtlich unseres Bewusstseins, dass wohl kaum ein Mensch ausschliesslich aus rationalen Erwägungen entscheidet und handelt, sondern dass unser primärer Handlungsantrieb ein emotionaler ist. Jedoch unterdrücken wir häufig aus rationalen Erwägungen unsere Emotionen. Und obwohl unser Herz und unsere Emotionen um unsere innere, seelische Wahrheit wissen, entscheiden wir trotzdem oft aus Angst oder bestimmten Vorstellungen mit unserem Verstand, weil soziokulturell anerzogen und akzeptiert, bevorzugt oder positiv sanktioniert. Dementsprechend ist diese Art der Entscheidungsfindung via Dominanz des Verstandes unvollkommen. Unabhängig davon ist der Verstand bei jeder Entscheidung nicht unwichtig, da er um unsere notwendige «gesellschaftlich-kulturelle Funktionsweise» weiss, die uns unseren individuellen Platz in der Gesellschaft erkennen und einnehmen lässt. Trotzdem oder gerade deshalb sollten unsere Emotionen zweifellos wesentlich mit in unsere Entscheidungen einfliessen, denn erst dann kann unser primärer Handlungsantrieb, unsere innere Stimme, unsere Seele uns ein vollkommenes Bewusstsein über ein Gefühl, ein stimmiges Wissen oder eine reife Entscheidung und damit über den Sinn, den wir uns geben, vermitteln. Letztlich hilft jede Krise (griechisch: krisis = Entscheidung) im Leben bei der Bewusstwerdung dann, wenn aus Erlebtem und der daraus folgenden Entscheidung eine Erkenntnis erwachsen ist. Was ist daraus folgernd also zu tun? Nichts! Ausser: erleben, entscheiden, bewusst werden und Erkenntnis erlangen … und das immer wieder aufs Neue, ein Leben lang. Vielleicht komme ich letztlich auf diese Weise zu der «einfachen» Erkenntnis, dass es nicht mehr zu tun gibt, als mein Leben zu leben, dem weisen Plan meiner Seele, meinem individuellen wie universellen Selbst zu folgen, mich selbst in allen vermeintlich «positiven» wie «negativen» Eigenschaften auszuhalten, zu lieben und immer wieder bereit zu sein, neue (Fehl-)Entscheidungen zu treffen und auf dem Weg dorthin durch Selbstbeobachtung und –wahrnehmung herauszufinden, wer oder was mein wahres Ich ist.

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